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Gästin

unregistriert

1

Donnerstag, 22. Oktober 2015, 19:54

Intakte Beziehung zu Vater & Vergangenheit

Guten Abend,
zuerst einmal möchte ich mich schonmal bei all denen bedanken, die sich meinen folgenden Text komplett durchlesen.

Es geht darum, dass ich gerade nicht weiß, wie und ob ich die Beziehung zu meinem Vater wieder oder überhaupt jemals in Ordnung bekomme.

Aber ich denke, dass ich da ganz vorne anfangen muss:
Aufgewachsen bin ich die ersten 8 Jahre meines Lebens alleine mit meiner Mutter, da mein Vater zu dieser Zeit immer mal wieder schwere Probleme mit Alkohol und Drogen hatte.
Meine Mama war meine absolute Bezugsperson und eine klasse Frau, die ihre Rolle als Singlemutter super gemeistert hat. Zu meinem Vater konnte ich nie eine wirklich gute und feste Beziehung aufbauen, da er durch seine Probleme nur selten da war.
Aber dennoch gab es auch schöne Tage dazwischen, an die ich mich erinnern kann.
Mit nur 30 Jahren ist meine Mutter dann an Krebs verstorben & ab da an habe ich bei meinen Großeltern mütterlicherseits gelebt. Diese haben sich zwar auch Mühe gegeben, sprich mir fehlte es nie an etwas Materiellem, aber schon bei der Erziehung ihrer Kinder fehlte immer etwas Wärme, was mir lieber gewesen wäre als jedes noch so teure Spielzeug.

Zu meinem Vater hatte ich die Jahre über nur so viel Kontakt wie gerade nötig, da er auch weiter weg wohnte & sich nicht sehr gut mit meinen Großeltern versteht.
Nun hat er vor 8 Jahren geheiratet & ist Vater eines siebenjährigen Sohnes. Alkohol und Drogen sind endgültig Geschichte und in öffentlichen Netzwerken präsentiert er sein perfektes Leben in der Vorstadtidylle.
Das mag verbittert klingen, aber um ehrlich zu sein empfinde ich genau so, auch wenn ich mich im selben Moment für diese Gedanken schäme! Ich bin neidisch auf das Leben meines kleinen Halbbruders; er hat beide Elternteile, die sich beide rührend um ihn kümmern, stolz auf ihn sind; alle sind gesund und haben sich lieb.

Eigentlich habe ich versucht, all das die letzten Jahre so gut wie möglich zu verdrängen, habe mein Studium erfolgreich beendet, habe einen passablen Job und lebe mein Leben.
Allerdings hat das Ganze auch Spuren hinterlassen & ich tue mich schwer damit, mich Menschen zu öffnen und ihnen zu vertrauen, was mir bei Beziehungen immer wieder früher oder später zum Verhängnis wird.

Nun hat sich seit Anfang des Jahres mein Vater immer mal wieder bei mir gemeldet und ziemlich deutlich Kontakt gesucht & dann auch um persönliche Treffen gebeten. Nach einigem Hin und Her habe ich zugestimmt. Es waren alles eher oberflächliche Treffen; mal auf einen Kaffee um Smalltalk zu halten, mal war es ein Mittagessen. Ich durfte so auch meinen kleinen Halbbruder kennen lernen, der einfach nur unglaublich herzig ist. Aber die Gespräche waren immer sehr sachlich und gingen nicht in die "Tiefe".

Am Wochenende hatte mein Vater Geburtstag und hat mich eingeladen. Ich bin der Einladung gefolgt und ich habe mich auch ehrlich darauf gefreut, aber jetzt im Nachhinein wünschte ich mir nie hingegangen zu sein.
Mein Vater hat mit einem Freund über seine Vergangenheit gesprochen und dabei kam die Frage auf, wie er es denn geschafft hätte endgültig von seiner Sucht loszukommen. Er antwortete darauf, dass er das seiner Frau zu verdanken habe, denn davor wäre es ihm sowas von egal gewesen; es hätte für ihn nichts und niemanden gegeben, für den es sich gelohnt hätte, von seiner Sucht loszukommen.
Ich saß bis dahin mit am Tisch und war einfach nur sprachlos. Seitdem weiß ich, was ich ihm wert bin, was meine Mutter ihm wert war, und frage mich, warum er dann den Kontakt gesucht hat?!

Gestern kam er zur mir auf die Arbeit und anfangs ist die Lage etwas eskaliert, es sind böse Anschuldigungen und Vorwürfe gemacht worden.
Aber dann meinte er, dass er eigentlich gekommen ist, um sich wegen dem Gespräch am Wochenende zu entschuldigen. Es wäre alles nicht so gemeint gewesen, aber für ihn die bessere Version der Wahrheit, die er sich selbst über die Jahre so eingeredet hat, um damit irgendwie klar zu kommen.
Er wäre über all die Jahre wütend auf sich selbst gewesen, dass er überhaupt die Probleme hatte & deswegen das Sorgerecht für mich nach dem Tod meiner Mutter nicht bekommen hat. Aber er hätte sich zu der Zeit in Kliniken begeben, wäre zu Psychatern und Psychologen gegangen, da ihm seine Verantwortung bewusst geworden wäre und er für sein Recht als Vater kämpfen wollte.
Nur leider hätte er durch Rückschläge in den Verhandlungen um das Sorgerecht immer mal wieder zur Flasche greifen lassen.
Das war ein völlig neuer Punkt für mich, denn meine Großeltern haben mir all die Jahre erzählt, dass mein Vater NIE versucht hätte, das Sorgerecht für mich zu bekommen.
Aber vielmehr sei es damals so gewesen, dass sie ihm mit Polizei, Anwalt etc. gedroht haben, sollte er sich mir als Drogensüchtiger nähern usw.
Briefe, Geschenke, all das wurde mir wohl von ihnen vorenthalten oder noch schlimmer: mein Vater wurde mir vorenthalten.
Auch wenn er zu der Zeit Probleme hatte, ich hätte dennoch gerne einen Vater in meiner Kindheit und Jugend oder jetzt gehabt und vielleicht hätte er so viel früher einen Grund gefunden, um seine Sucht zu bekämpfen.

Ich konnte und wollte das nicht weiter vertiefen und habe ihn gebeten zu gehen und mir Zeit zu lassen. Ich muss das erst einmal verarbeiten.
Da ich leider zu weit von meinen Großeltern entfernt wohne habe ich sie gestern Abend angerufen und meine Oma damit konfrontiert (mein Opa ist seit einem Hirnschlag geistig und körperlich geschwächt). Da sie nur mit Weinen, Schluchzen und einem "Tut mir leid" geantwortet hat und dann aufgelegt hat, sehe ich das als ein Geständnis von ihr.

Ich bin hin und her gerissen zwischen allem irgendwie; meine Großeltern - Vater, Vergangenheit - Gegenwart
Um ehrlich zu sein weiß ich auch garnicht wirklich, was ich mit dem Thread will, aber da ich niemanden hier habe, mit dem ich reden könnte (obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ich dann auch tatsächlich reden würde), wollte ich das Ganze zumindest aufschreiben; vielleicht mir das Ganze von der Seele schreiben.

Shindoro

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  • »Shindoro« ist männlich

Beiträge: 466

Registrierungsdatum: 13. Juli 2012

Wohnort: NRW

Beruf: Fachinformatiker - Azubi

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2

Donnerstag, 22. Oktober 2015, 21:29

/aktiviert


Gruß
Shin
Ich möchte an dieser Stelle meinen Regenschirm grüßen! ☂

Shindoro

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3

Samstag, 24. Oktober 2015, 12:16

(damit du das hoffentlich siehst, neuer Post)

Hey du!

Tut mir Leid, das ich mich erst jetzt melde, aber ich wollte dir sagen das das was du da erzählst ganz schön traurig ist. Irgendwo kann ich die Aktion von deinen Großeltern verstehen, sie hatten vermutlich Angst das dein Vater mit seinem damaligen Zustand einen schlechten Einfluss auf dich hat. Sie wolten vermutlich nur dein bestes. Darüber ob das so richtig war, lässt sich vermutlich sehr lange und intensiv diskuttieren und streiten. Aber du bist jetzt ja groß (xP) und kannst deine eigenen Entscheidungen treffen. Dein Vater scheint es zu bereuen und würde es gerne zumindestens für die Zukunft ändern. Ob du das willst, kannst aber nur du alleine entscheiden. Wer weiss, vlt werdet ihr eines Tages die dicksten "Freunde"?

Auf jeden Fall wünsche ich dir ein entspanntes Wochenende

Gruß
Shin
Ich möchte an dieser Stelle meinen Regenschirm grüßen! ☂

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